Freitagnachmittag Abreise der Crew vom Törn A - Jakob bleibt auch zum Törn B, so können wir den Großeinkauf für die kommende Woche gut erledigen und alles an Bord verstauen.
Am Samstagmittag unser Notruf: Beide Kühlschränke ohne Strom! Erst will man uns Kühlboxen als Ersatz bringen. Bei dem voll geladenen Schiff müssten die im Gang stehen. Dann kommt doch noch der technische Service und tauscht Sicherungen und nötige Relais aus. Die Kühlschränke funktionieren wieder.
Unsere neue Crew kommt zum Teil mit der Bahn, wie gewohnt zu spät. Geplant war nach Klintholm und weiter nach Kopenhagen durchzusegeln. Doch Arbeiten an der Fehmarnsund-Brücke verhindern das: Die Durchfahrtshöhe reicht nicht für unsere Masthöhe. Dennoch starten wir kurz vor 21 Uhr und kämpfen uns bei starkem Westwind an der Westseite von Fehmarn nach Norden. Um nicht gegen Wellen und Starkwind kreuzen zu müssen, entscheiden wir uns für den längeren Weg nach Spodsbjerg auf der Ostseite von Langeland. Wir passieren den Leuchtturm Keldsnor an der Südspitze von Langeland, dann macht sich die Landabdeckung bemerkbar: die Wellen werden kleiner und für die letzten 90 Minuten flaut auch der Wind auf 3 bis 4 Bft. ab. Schließlich laufen wir kurz vor 3 Uhr früh müde in die enge, im Dunkeln unübersichtliche Hafeneinfahrt ein. Nach dem ersten Toilettengang an Land beginnt bereits die Morgendämmerung. Ein langer Tag geht zuende und Sonntag ist somit Ausschlafen angesagt!
Sonntag empfängt uns mit blauem Himmel und Sonne. Der Wind hat zugelegt und etwas nördlich gedreht.
Hoch am Wind können wir den Nordkurs an der Küste Langelands entlang, danach sogar leicht westlich bis eine Seemeile vor der Großen Belt-Brücke halten.
Starker Wind über 30 Knoten und Seegang hindern nicht daran, unter Deck eine Zwischenmahlzeit zuzubereiten.
Auf dem Weg zur Großen Belt-Brücke mit Kurs hoch am Wind ist Jonna ein toller Schnappschuss gelungen.
Kurz vor der Brücke heißt es "Klar zur Wende". 5 sm weiter wird es flach. Also wenden wir südlich Palegrund und nehmen Kurs auf Nyborg.
Im Stadthafen sind Teile des West-Kais wegen Baufälligkeit gesperrt. An einem etwas kurzen Vorsprung können wir aber gut festmachen. Es gibt ein spätes Sonntags-Kaffeetrinken mit Apfelkuchen.
Nach Wettervorhersage wird es Montag und Dienstag kühl, stark bewölkt mit Regenschauern, dabei soll es Dienstagvormittag stürmischen Westwind geben. Wir entscheiden uns für zwei Etappen durch das Smalandsfahrwasser ostwärts zu segeln. Dann reicht am Dienstag eine gereffte Fock, um bei raumem Starkwind bequem durch die Storströmsund-Brücken zum geschützten Hafen von Stubbeköbing zu segeln.
Nach heißem Kakao und Mandarinen-Käsekuchen erkundet die Crew mit den dort zur Verfügung stehenden Fahrrädern die Insel.
Der am Montag umlaufende Wind von Südost über Südwest bis schließlich Nordwest gibt nicht viel Geschwindigkeit. Meistens muss der Motor mithelfen. Wir segeln zwischen Agersö und Omö ins Smalandsfahrwasser. Drei Seemeilen vor unserem Ziel Vejrö brist es kräftig auf, wir reffen beide Segel. Auf der Ostseite von Vejrö kommen wir in Landabdeckung. So können wir gemütlich in den nahezu leeren Hafen von Vejrö einlaufen.
Besuch im Leuchtturm
Für Dienstag waren 6 - 7 Bft. aus westlichen Richtungen angekündigt. Östlich der Storströmsund-Brücken abflauend auf 4 Bft.. Tatsächlich erleben wir durchschnittlich 7 Bft., in Böen sogar um 40 Knoten.
Als die Wellen höher von hinten anrollen und uns anschieben, werden wir nur schneller, schaffen allein mit der gerefften Fock an die 10 Knoten Fahrt.
Links unsere Tagesroute von Vejrö nach Stubbeköbing
Bei dem Tempo erscheinen die Brücken-Durchfahrten recht eng. Dazu setzt es eine kräftige Strömung, wie man an den Tonnen gut sehen kann.
Nach der letzten Brücke sollte der Wind abflauen. Wir segeln jedoch weiter mit 6 - 7 Bft.. Selbst im Hafen bläst es beim Anlegen noch mit 5 Bft..
Kurz vor 15 Uhr machen wir fest. Der letzte freie Liegeplatz am Süd-Kai ist eng, Segler der Nachbarboote helfen an den Leinen.
Nach dem Bezahlen der Hafengebühren am entfernten Automat werden wir von einem stürmischen Regenschauer überrascht. Die Sichtweite beschränkt sich auf den Hafenbereich.
Erst am späten Nachmittag klart es auf und das gegenüberliegende Ufer ist wieder sichtbar. Der Wind nimmt dagegen stets weiter zu.
Unter blauem Himmel, der uns auch die nächsten Tage begleiten wird, bleibt noch Zeit für eine windige Stadtbesichtigung.
Die Laternen am Rathausplatz weisen auf das bedeutende Motorrad-Museum hin.
Die Kirche aus dem 13. (Frühgotik) bis 15. Jahrhundert (Spätgotik) enthält eine große Orgel und eine prächtige Kanzel.
Der Abend beschert uns einen farbenprächtigen Sonnenuntergang.
Dabei haben wir selbst im Hafen noch Windstärke 9.
Mittwoch - wir haben wieder Sonne! Statt der angekündigten 3 Bft. Westwind segeln wir mit 5 Bft. ostwärts zum Grönsund.
Schönstes Segelwetter. Zunächst kommen wir mit der gerefften Fock aus.
Beim Einbiegen in den Grönsund setzen wir noch das Großsegel mit Reff 2. Trotz Landabdeckung frischt der Wind auf und wir schaffen es gerade noch sehr hoch am Wind durch die betonnte Fahrrinne südwärts zu segeln. Nach der Südausfahrt aus dem Sund haben wir bereits 7 Bft. aus Westsüdwest. Zweimal wenden wir, um die Südspitze von Falster möglichst dicht zu nehmen.
Überraschend taucht einige Male ein Seehundkopf aus dem Wasser auf und beoachtet uns aus sicherer Entfernung.
Vor der Durchfahrt im Gedser Landrev rollen wir die Segel ein. Im folgenden schmalen Kroghage Dyb können wir wegen der Flachgebiete nicht kreuzen und motoren die Südküste von Falster westwärts gegen den Wind.
Bei den 7 - 8 Bft. Wind entscheiden wir uns, sicherheitshalber im östlichen Becken des Fährhafens von Gedser anzulegen.
Zwei Mitsegler laufen zum Yachthafen und erkunden noch einen freien Platz. Wir legen wieder ab, motoren zum Yachthafen. Der Platz erweist sich für ein Anlegemanöver bei 7 Bft. ablandigem Wind als zu kurz. Wie leider schon oft erlebt, liegen unerlaubt kleinere Yachten mit viel Abstand zueinander an dem langen, für große Yachten reservierten Steg. Es dauert eine viertel Stunde, bis endlich eine Yacht bereit ist, zwei Meter nach vorne zu verholen und wir mit viel Hilfe und Kraft an den Steg herankommen.
Der Wind bleibt zum Abend und es gibt wieder einen wunderschönen Sonnenunteergang zu sehen.
Am Donnerstag ist der Wind tatsächlich schwächer und wir können die gesamte Strecke nach Rödby segeln. Doch ist die Windrichtung gegen uns.
So wird die relativ kurze Strecke von 25 Seemeilen durch einen weiten Kreuzschlag bis kurz vor Staberhuk an der Südost-Ecke von Fehmarn auf 45 Seemeilen ausgedehnt.
Beim Erreichen der Großbaustelle für den Fehmarnbelt-Tunnel werden wir von einem Überwachungsboot durch die zunächst unübersichtlichen Sperrgebiete gelotst.
Wegen einer ankommenden Fähre aus Puttgarden müssen wir noch einige Minuten warten, dann können wir in den Hafen von Rödby einlaufen.
Der Strand ist durch die Bauarbeiten nicht mehr zugänglich. Aber von der wilden Dünenlandschaft aus kann man den Sonnenuntergang genießen.
Freitag ist ein sonniger Rückfahrtag mit wenig Wind. Bei der Hafenausfahrt warten wir wieder auf eine Fähre, die ebenfalls gerade ablegt.
Dann segeln wir, teils mit Motorunterstützung, zurück nach Heiligenhafen.
Unterwegs ist viel los: Die Küstenwache liegt vor Fehmarn, auch ein russisches Schiff wird beobachtet. Auf dem Kiel-Ostsee-Weg fährt mit hoher Geschwindigkeit die neue Korvette EMDEN aus Kiel zu ihrem ersten Einsatzort.
Am Tanksteg haben wir Glück, müssen nicht lange warten. Nach uns sammeln sich aber schnell fünf weitere Yachten zum Tanken. So sind wir gut in der Zeit. Es reicht noch für ein Gruppenfoto unserer seefesten Crew, die kein Problem mit starkem Wind und Wellen hatte.
Schließlich Aufbruch mit dem Bus nach Oldenburg zur Heimfahrt.